Lea Hofmann
Bauen für die Zukunft: Zwischen EU-Taxonomie und Tragwerksplanung
Nachhaltigkeit ist im Bauwesen längst kein Nischenthema mehr – sie ist eine ökologische Notwendigkeit. Da der Bausektor für einen massiven Teil der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich ist, stehen angehende Bauingenieurinnen wie Lea Hofmann vor einer besonderen Verantwortung. In ihrer preisgekrönten Bachelorarbeit hat sie untersucht, wie die Materialauswahl im Bauwesen im Einklang mit den politischen Vorgaben erfolgen kann.
HKA: Was muss man als Bauingenieurin über Nachhaltigkeit wissen?
Lea Hofmann (LH): Das Bauwesen ist für einen erheblichen Anteil der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. In der Tragwerksplanung heißt das konkret: So wenig Material wie möglich verbrauchen und die richtigen Baustoffe wählen, damit Gebäude lange halten. Gemessen wird das oft über Zertifikate wie das DGNB-System (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen) oder mithilfe von Methoden wie Ökobilanzierungen.
Geht es dabei primär um nachwachsende Rohstoffe wie Holz?
LH: Auch, aber Holz ist nicht für jede Anwendung geeignet. Es geht darum, den effizientesten und nachhaltigsten Werkstoff für die jeweilige Anwendung zu finden. Langlebigkeit ist dabei ein entscheidender Faktor.
Ihre Bachelorarbeit trägt den Titel „Umsetzung der EU-Taxonomie bei der nachhaltigen Materialauswahl im Bauwesen“. Was verbirgt sich dahinter?
LH: Die EU-Taxonomie ist eine Verordnung für nachhaltige Investitionen. Ich habe untersucht, wie diese Anforderungen in bestehenden Zertifizierungssystemen wie LEED (USA), BREEAM (UK) und DGNB (Deutschland) umgesetzt werden. Das Ergebnis: Das deutsche DGNB-System hat am besten abgeschnitten.
Wann gilt ein Projekt oder Produkt laut EU-Taxonomie als nachhaltig?
LH: In der EU-Taxonomie werden sechs Umweltziele definiert:
- Klimaschutz,
- Anpassung an den Klimaschutz,
- Nachhaltige Nutzung und Schutz von Wasser- und Meeresressourcen,
- Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft,
- Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung,
- Schutz und Wiederherstellung der Biodiversität und der Ökosysteme
Ein Projekt oder Produkt muss die sogenannten „DNSH-Kriterien“ (Do No Significant Harm) erfüllen, das heißt, es darf keinem der Umweltziele schaden. Gleichzeitig muss es zu mindestens einem der Umweltziele positiv beitragen und den Mindestschutz einhalten – dazu zählen zum Beispiel Menschenrechte.
Sie machen jetzt Ihren Master in München. Spielt Nachhaltigkeit da eine Rolle?
LH: Im Master wollte ich vor allem meine Kenntnisse im Bereich des konstruktiven Ingenieurbaus vertiefen. In diesen Vorlesungen steht im Vordergrund, die Materialien entsprechend ihrem Tragverhalten einzusetzen und ihre Festigkeit optimal auszunutzen. Ich habe aber zusätzlich Vorlesungen wie Ökobilanzierung und Bauwerkserhaltung besucht, um auch mehr über Nachhaltigkeit zu lernen.
Für wen ist das Studium Bauingenieurwesen Ihrer Meinung nach das Richtige?
LH: Für alle, die Interesse am Bauen haben. Ein gutes technisches oder mathematisches Verständnis ist von Vorteil, aber eine gewisse Begeisterung fürs Bauen ist mindestens genauso wichtig. Und wer zusätzlich Lust auf internationale Erfahrungen hat, kann an der HKA auch den trinationalen Studiengang studieren.
Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für Ihr Masterstudium.