Girls´Day 2026 an der HKA
Zwischen Lötkolben, KI und Raumfahrt
Am Girls´Day 2026 verwandelte sich die Hochschule Karlsruhe in ein Labor für Zukunftsideen: 230 Schülerinnen tauchten in 20 Workshops ein – von Elektrotechnik und Kältetechnik über Robotik und Drohnen bis hin zu Künstlicher Intelligenz, 3D-Druck und Medienkompetenz.
Was ein Baum über Mitbestimmung und Technik erzählt
Gleich zu Beginn des Workshops „Kunst und Elektrotechnik – kreative Geschwister“ lernten die Schülerinnen am „Baum der Demokratie“, dass Technik und Kunst keine Gegensätze sind. Die Teilnehmerinnen entschieden im Team, welche Formen und Materialien für ihre gemeinsame Skulptur zum Einsatz kamen und wie sie mithilfe der Elektrotechnik den Baum interaktiv machten. Was sonst nach trockener Elektrotechnik klingt, wurde zur gestalterischen Aufgabe mit Lichteffekten, Sensoren und Farben. Die Schülerinnen erfuhren, dass Ingenieurinnen ebenso kreativ arbeiten wie Künstlerinnen – nur mit anderen Mitteln: Mathematik, Physik, Programmierung und einem hohen Maß an Verantwortungsbewusstsein.
Handy-Detektor spürt unsichtbare Signale auf
Wie allgegenwärtig Technik ist, zeigte sich im Workshop „Wir bauen einen Handy-Detektor“. Aus Bauteilen, Kabeln und etwas Geduld bauten die Schülerinnen eine Schaltung, die Handysignale aufspürt. Plötzlich waren WLAN-Router, schnurlose Telefone und Smartphones keine abstrakte „Wolke aus Strahlung“ mehr, sondern als konkrete Messgrößen hörbar. Die Botschaft: Wer versteht, wie Technik funktioniert, ist ihr nicht ausgeliefert, sondern kann sie selbst gestalten und kontrollieren.
Mechatronik bringt Kreisel zum Leuchten
Im Mechatronik-Workshop bauten die Schülerinnen ihren eigenen Kreisel inklusive Lötarbeit, Elektronik und Programmierung. Die Teilnehmerinnen lernten, dass der kleine Alltagsgegenstand sich erst richtig drehte und leuchtete, wenn Mechanik, Elektronik und Code zusammenpassten. War dies der Fall, dann leuchtete der Kreisel mit dem eigenen Namen im Speicher.
Roboter tanzen lassen
Nur ein paar Räume weiter lernten Roboter tanzen. Mit Lego-Mindstorms-Systemen bauten die Schülerinnen in kurzer Zeit kleine Maschinen, die sich je nach Programmierung und Sensorsignalen im Takt bewegten oder bei Berührung vor „Freude“ zuckten. Fußball spielende Roboter sind bekannt, aber tanzende Roboter zeigten, dass hinter jeder scheinbar „emotionalen“ Bewegung immer eine durchdachte Programmierung steht.
Drohnen mit Python programmieren
Wer den Blick in die Luft richten wollte, programmierte „Up into the Sky“, eine Forschungs-Mini-Drohne vom Typ Crazyflie, wie sie in der Robotik eingesetzt wird. Die Schülerinnen schrieben in Python eigene Programme, ließen die Drohne automatisch starten und landen und experimentierten mit Flugbahnen. Hier ging es nicht um Spielerei, sondern um eine erste Begegnung mit der Programmiersprache, die auch in KI und Raumfahrt eine zentrale Rolle spielt.
Metall von innen betrachten
Mit beiden Beinen fest auf dem Boden, aber im Reich der Extreme, bewegte sich ein anderer Workshop: In der Metallografie schauten die Teilnehmerinnen Metallen „ins Innere“. Nach Schleifen und Polieren untersuchten die Schülerinnen ihre Proben unter dem Mikroskop. Spektakulär wurde es, als sie ihre Metalle auf rund minus 180 Grad abkühlten: Zerbrechen sie wie Glas oder bleiben sie stabil? Das Ergebnis war weniger wichtig als die Erkenntnis, dass Materialeigenschaften präzise untersucht und nicht nur vermutet werden.
Kältetechnik hautnah erleben
Ein paar Räume weiter, in der Kältetechnik, ging es ebenfalls um sehr tiefe Temperaturen. Die Schülerinnen stellten mit flüssiger Luft Eis her und nahmen – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne – Kühlschränke auseinander. Dabei lernten die Schülerinnen, warum Butter im Kühlschrank hart wird, was in der Kälteanlage tatsächlich passiert und welche Rolle Kältetechnik für das Klima in einer Stadt wie Karlsruhe spielt. „Der kälteste Ort in Karlsruhe“ wurde so zum Ort sehr aktueller Fragen: Wie kühlen wir effizient, ohne die Umwelt weiter zu belasten?
KI zwischen Faszination und Verantwortung
Dass Künstliche Intelligenz sowohl kreatives Werkzeug als auch demokratische Herausforderung ist, zeigten gleich mehrere Girls´Day Angebote der HKA. In einem Workshop gestalteten die Teilnehmerinnen eigene (Super-)Heldinnen und Helden mit generativer KI. Für sie blieben Begriffe wie Kantenbild oder Tiefenmaske nicht Theorie, sondern wurden zu aktiven Werkzeugen, mit denen sie aus einfachen Skizzen farbenfrohe Figuren entwickelten, diese in verschiedene Zeichenstile und Szenen versetzten und sogar ganze Charakterbögen mit Vorder-, Seiten- und Rückansicht erzeugten. Die Schülerinnen lernten schnell, dass KI kein abstrakter Algorithmus, sondern ein kreativer Partner ist, den sie durch präzise Texteingaben, die sogenannten Prompts, selbst steuerten.
Ganz andere Fragen standen beim Workshop „Fake News & Deep Fakes: Erkennen, Verstehen, Gegenmaßnahmen“ im Mittelpunkt. Ausgehend von eigenen Erfahrungen in sozialen Medien diskutierten die Schülerinnen, warum Falschinformationen so mächtig sind und wie schwer sie oft zu erkennen sind. Sie testeten einen KI-Chatbot, lernten, was hinter Deep Fakes steckt, und erarbeiteten in Teams Ideen, wie sie Desinformation begegnen können: mit Bildungsangeboten, Virtual-Reality-Anwendungen oder neuen Formaten der Aufklärung. MINT zeigte sich hier als gesellschaftlich relevante Disziplin, nicht als Selbstzweck.
Produktion zum Anfassen mit 3D-Druck
Konkreter wurde es beim 3D-Druck. An mehreren Druckern sahen die Schülerinnen, wie dreidimensionale Formen Schicht für Schicht aus Kunststoff entstehen. Sie erfuhren, welche Vorbereitungen sie vom digitalen Modell bis zum Start des Drucks treffen müssen, um eigene Objekte zu gestalten. Ihr Lerneffekt liegt darin, dass sie digitale Entwürfe buchstäblich greifbar machten.
MINT ist die Zukunft
Am Ende des Tages zeigte sich vor allem eines: MINT-Berufe bieten eine breite Palette an Möglichkeiten, von kreativen und gestalterischen Tätigkeiten über analytische und forschende Aufgaben bis hin zu anwendungsorientierten Tätigkeiten in Industrie und Gesellschaft. Die 20 Workshops des Girls´Day 2026 verdeutlichten, dass MINT kein abstraktes Schreckgespenst ist, sondern ein Feld mit vielen Zugängen und praktischen Bezügen. Die 230 Schülerinnen erlebten praxisnah, dass sie keine Scheu vor Technik, Informatik oder Naturwissenschaften haben müssen. Im Gegenteil: MINT ist die Zukunft und macht noch dazu Spaß.