Hochschule Karlsruhe Hochschule Karlsruhe - University of Applied Sciences
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Auftaktveranstaltung der Wissenschaftsoffensive der Trinationalen Metropolregion Oberrhein an der HKA

Start der neuen Projekte der Wissenschaftsoffensive in Karlsruhe: die grenzüberschreitende Zusammenarbeit stärkt die Innovationskraft der Oberrheinregion.  

03. März 2026

Im Rahmen einer feierlichen Auftaktveranstaltung wurden die sieben neu ausgewählten Projekte der Wissenschaftsoffensive der Trinationalen Metropolregion Oberrhein erstmals öffentlich vorgestellt. Im Zentrum der Veranstaltung, die auf dem Campus Technologiepark der Hochschule Karlsruhe stattfand, stand die Präsentation dieser Vorhaben sowie die Sichtbarmachung der grenzregionalen Zusammenarbeit als entscheidender Erfolgsfaktor für Spitzeninnovation in Europa. Die sieben Projektkonsortien, bestehend aus bi- oder trinationalen Forschungsteams und ihren Industriepartnern aus Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, der Region Grand Est sowie der Nordwestschweiz, liefern konkrete Beiträge in strategischen Bereichen wie Energiewende und Energieeffizienz durch den Einsatz von KI, den Einsatz von Quantentechnologien im Dienste der Medizin von morgen oder auch die Prävention von Klima- und Umweltrisiken.  

Vor dem Hintergrund der aktuellen Verhandlungen zum Mehrjährigen Finanzrahmen der Europäischen Union setzte die Veranstaltung ein starkes Signal: Die Oberrheinregion demonstriert, wie europäische, nationale und regionale Initiative und Programme strategisch gebündelt werden können, um wissenschaftliche Exzellenz in konkrete technologische Lösungen mit gesellschaftlichem Mehrwert zu überführen.

Das Publikum setzte sich aus Vertreterinnen und Vertretern der Hochschullandschaft am Oberrhein, Forschenden, Akteurinnen und Akteuren des Innovationsökosystems, Unternehmen sowie politischen Entscheidungsträgern zusammen. Der interdisziplinäre und sektorübergreifende Austausch unterstrich die Rolle der Region als integrierter Forschungs- und Innovationsraum.

„Mit der Wissenschaftsoffensive setzen wir in der Oberrheinregion ein starkes Zeichen für Zusammenhalt und Kooperation über Grenzen hinweg und damit für ein wettbewerbsfähiges und lebenswertes Europa“, sagte Markus Wiedemann, Abteilungsleiter im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, in seiner Einführungsrede.

Die Wissenschaftsoffensive am Oberrhein

Die Wissenschaftsoffensive ist ein strategisches Förderinstrument der Trinationalen Metropolregion Oberrhein, deren Ziel es ist, Technologietransferprojekte zwischen Hochschulen aus der Grenzregion und deren Industrie- sowie öffentlichen Partner zu ermöglichen. Sie trägt dazu bei, die Verknüpfung zwischen anwendungsorientierter Forschung und Unternehmen in der Region zu stärken. Insbesondere für die Wettbewerbsfähigkeit kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) muss die Lücke zwischen angewandter Forschung und Produktentwicklung − vom Proof of Concept über das Prototyping bis hin zur Systemdemonstration − durch eine systematische Erhöhung des technologischen Reifegrades besser geschlossen werden.

„Europas Stärke liegt in seiner Vielfalt, doch Ideen, Kapital und Talente sind ungleich verteilt. Wenn wir unsere Kräfte über Grenzen hinweg bündeln, machen wir aus Vielfalt echte Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft.“, betonte Dennis Steininger, Professor für Entrepreneurship an der RPTU Kaiserslautern-Landau, in seinem Key-Note. 

Die Projekte, die zu 50% vom europäischen Programm Interreg Oberrhein finanziert werden, sollen den Ausbau der Forschungs- und Innovationskapazitäten und der Einführung fortschrittlicher Technologien im Oberrheingebiet stärken. Frédéric Pfliegersdoerffer, Vorsitzender der Interreg-Arbeitsgruppe und Gewählter des Regionalrates der Région Grand Est, betonte die Hebelwirkung des Interreg-Programms bei der Entstehung von strukturierenden Projekten. „Die Wissenschaftsoffensive ist ein in Europa einzigartiges Instrument zur Förderung von Forschung und Innovation auf grenzüberschreitender Ebene. Wir setzen auf die sieben Gewinnerprojekte der diesjährigen Ausgabe, um die Wettbewerbsfähigkeit unserer trinationalen Region und Europas insgesamt weiter zu stärken“, erklärte er bei der Sitzung des Begleitausschuss des Interreg-Programmes am Vormittag.

Das Gesamtbudget von über 7,7 Millionen Euro wird durch ein gemeinsames Engagement der öffentlichen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Akteure am Oberrhein ermöglicht: 3,5 Millionen Euro stammen aus dem Interreg-Programm Oberrhein 2021-2027, 1,75 Millionen Euro aus den Ländern Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz und der Région Grand Est sowie 1,75 Millionen Euro aus Eigenanteilen der deutsch-französischen Projektverbünde. Wissenschaftseinrichtungen aus den Schweizer Kantonen Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Jura und Solothurn tragen zudem mit ihrem Wissen und ihrem finanziellen Beitrag zum Gelingen der Projekte bei.

Sieben geförderte Projekte

Die sieben Projekte, die nach einem in 2024 gestarteten zweistufigen Auswahlverfahren aus 30 Bewerbungen ausgewählt wurden, zeichnen sich durch vielversprechende wissenschaftliche und technische Exzellenz, ein hohes Verwertungspotenzial der vorgeschlagenen Innovationen sowie direkte Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung und den Wohlstand des Großraums Oberrhein aus.

„Die sehr große Anzahl der eingegangenen hochqualitativen Projektvorschläge, aus denen in sehr enger Auswahl die sieben besten gefördert werden, zeigt, dass die Hochschulen sich den Herausforderungen der Zeit stellen und in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit Lösungen entwickeln, so dass in Kooperation mit Unternehmen, Gesundheitseinrichtungen, Regionalpartnern und der Gesellschaft die Oberrheinregion eine der lebenswertesten und wirtschaftlich erfolgreichsten Regionen Europas bleibt.“, fasste Prof. Quint, Prorektor für Forschung und Transfer der Hochschule Karlsruhe, in seiner Abschlussrede zusammen.

Die sieben geförderten Projekte im Überblick

Mit diesen sieben Projekten setzt die Wissenschaftsoffensive ein deutliches Zeichen für die Innovationskraft der Trinationalen Metropolregion Oberrhein und für die Zukunftsfähigkeit grenzüberschreitender Forschung in Europa.

Umwelt & Klimaanpassung

HEDRAF
Das Projekt HEDRAF entwickelt eine Drohne, die fünf Stunden lang ununterbrochen fliegen kann, um die Rauchentwicklung bei Bränden zu verfolgen und zu analysieren. Sie bietet eine einzigartige Autonomie und wird mit sauberer Energie betrieben. Durch die Bereitstellung zuverlässiger Daten für Feuerwehr und Behörden wird diese Drohne helfen, die Bevölkerung besser zu schützen und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu stärken, die für die Bekämpfung der Luftverschmutzung am Oberrhein von entscheidender Bedeutung ist.

Projektpartner: INSA Strasbourg (FR), CNRS (FR) und Universität Freiburg (DE), in Zusammenarbeit mit Partnern aus der Industrie, Feuerwehren und Luftüberwachungsbehörden

VITISENSE
Der Oberrhein ist Heimat renommierter Weinberge, die von Holzkrankheiten bedroht sind, die jahrelang unsichtbar bleiben und erhebliche Verluste verursachen können. VitiSense entwickelt zwei Instrumente zur Früherkennung dieser Krankheiten, noch bevor sichtbare Symptome auftreten: einen optischen Sensor, der den Befall der Blätter frühzeitig erkennen kann, und ein tragbares MRT-Gerät, mit dem das Innere der Rebstöcke sichtbar gemacht werden kann.

Projektpartner: Université de Strasbourg (Icube-Labor) (FR), Université de Haute-Alsace (FR), Hochschule Furtwangen (DE) sowie akademische Partner (FHNW, Julius Kühn-Institut) und Partner aus der Industrie

ZUNAMI
ZUNAMI entwickelt ein lokales System zur Erkennung und Quantifizierung von Mikroplastik im Rhein. Durch die Kombination von modernster Probenvorbereitung, Automatisierung mittels Mikrofluidik und elektrischer Erkennung von Partikeln durch Mikroporensensorik liefert das Gerät im Vergleich zu aktuellen Labormethoden schnellere Ergebnisse. Damit erhalten Wasserversorger und Behörden wirksame Instrumente zum Schutz der Flüsse und der öffentlichen Gesundheit.

Projektpartner: Universität Freiburg (DE), Universität Basel (CH) und RPTU Kaiserslautern-Landau (DE) sowie Wasserversorger und Industriepartner.

Intelligente Energiesysteme für Industrie und Stadt

FLEX-E 
FLEX-E hilft Industrieparks dabei, durch eine intelligentere Energienutzung Kosten und CO₂-Emissionen zu senken. Unternehmen verschwenden oft Strom durch separates Energiemanagement. FLEX-E entwickelt KI-Tools, mit denen eine sichere Zusammenarbeit ohne Weitergabe sensibler Daten möglich ist. Das Projekt soll im Industriepark auf dem Gelände der ehemaligen Schmiede in Pfinztal getestet werden und durch Modellieren verschiedener Industrieparkgrößen praktische Modelle und Leitfäden liefern.

Projektpartner: Hochschule Karlsruhe (DE) und INSA Strasbourg (FR) und Industriegebiete in Grand Est und Baden-Württemberg

EMPOWER#IoT
Smart Cities nutzen Sensoren, um Luftqualität, Verkehrsfluss, Lärmpegel und andere städtische Parameter in Echtzeit zu erfassen. Die meisten Geräte werden jedoch mit Einwegbatterien betrieben oder erfordern eine aufwendige Verkabelung. EMPOWER#IoT entwickelt solarbetriebene Sensoren, die auch im Schatten oder unter Straßenlaternen funktionieren, wodurch Installations- und Wartungskosten gesenkt werden und weniger Abfall anfällt.

Projektpartner : Universität Freiburg (DE), Université de Strasbourg (Icube-Labor) (FR), Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), mit weiteren akademischen Partnern (Fraunhofer ISE, CNRS), Kommunen und Unternehmen

Gesundheit & Digitale Technologien

QUANTUM PRECISION
Krebs und Alzheimer entwickeln sich oft unbemerkt, da heutige Diagnosemethoden keine molekulare Präzision ermöglichen. QUANTUM-PRECISION entwickelt eine neue Generation von MRT-Geräten, die auf Hyperpolarisation basieren, einer quantenmechanischen Technologie, die das Signal von Krankheitsmarkern verstärkt und so eine genauere Diagnostik und personalisierte Therapie ermöglicht.

Projektpartner:  Uniklinikum Freiburg (DE), Université de Strasbourg (laboratoire Icube) (FR), mit anderen akademischen Partnern und Industriepartnern aus dem Bereich der Simulation und Quantenalgorithmen für die chemische und pharmazeutische Industrie.

IMARA
Das Projekt IMARA entwickelt eine Robotik-Plattform für den Operationssaal, die aus zwei sich ergänzenden Innovationen besteht: einem autonomen mobilen Roboter zur Vorbereitung und Beförderung von Material sowie einem Roboterarm, der sich durch Nachahmung von Pflegehandgriffen weiterentwickelt. IMARA zielt darauf ab, das Pflegepersonal von zeitraubenden und fehleranfälligen Aufgaben zu entlasten, um mehr Zeit für die Patientenversorgung zu schaffen und gleichzeitig die Sicherheit der Eingriffe zu erhöhen.

Projektpartner: Institut Hospitalo-Universitaire de Strasbourg (FR), Université de Strasbourg (Icube-Labor) (FR), Hochschule Reutlingen (DE) sowie Partner aus dem akademischen Bereich und dem Krankenhaussektor.

Allgemeine Informationen und Kontext: 

Die Metropolregion Oberrhein – eine einzigartige Wissenschaftslandschaft 
Der grenzüberschreitende Kooperationsraum entlang des Rheins zwischen der Südpfalz, Baden, dem Elsass und der Nordwestschweiz ist geprägt durch Exzellenz, Vielfalt und Zusammenarbeit auf höchstem Niveau. 

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit strategisch aufgestellt
Im Jahr 2010 haben die politischen Partner aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz die Trinationale Metropolregion Oberrhein (TMO) gegründet. Anwesend waren die führenden Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Sie bilden die vier Säulen der Metropolregion. Die im Rahmen des intensiven Austauschs mit Akteuren aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik übermittelten Kenntnisse und Technologien tragen dazu bei, die Herausforderungen der Region zu bewältigen. 

Langjährige Partnerschaften und innovative Formate
Neben zahlreichen gemeinsamen Studiengängen, Forschungsnetzwerken und –projekten zwischen Universitäten, Hochschulen und Forschungseinrichtungen, ist es vor allem der Verbund der Universitäten „Eucor-The European Campus“, der die wissenschaftliche Zusammenarbeit seit vielen Jahren vorantreibt. Diese Dynamik wurde durch die Gründung der Hochschulallianz „TriRhenaTech“ 2014 weiter gestärkt.

Interreg Oberrhein kurz gefasst
Interreg ist ein europäisches Förderprogramm aus der Region und für die Region, das seit mehr als 30 Jahren Projekte der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit am Oberrhein unterstützt. Es ist Teil der Kohäsionspolitik der Europäischen Union und zielt darauf ab, die wirtschaftlichen, sozialen und territorialen Disparitäten zwischen den verschiedenen Gebieten zu verringern. Das Programm Interreg Oberrhein verfügt in der Förderperiode 2021-2027 über eine Mittelausstattung von insgesamt 125 Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), um das grenzüberschreitende Programmgebiet zu einer grüneren, besser vernetzten, intelligenteren und bürgernäheren Region zu machen.

Das Koordinationsbüro der Säule Wissenschaft im Auftrag der Wissenschaftsakteure der TMO
Zu den Aufgaben des Büros gehören unter anderem: Bereitstellung von Informationen, Unterstützung bei der Anbahnung und Durchführung von grenzüberschreitenden F&E&I Kooperationsprojekten: Hinweise auf Fördermöglichkeiten, Netzwerkarbeit und Unterstützung bei der Kontaktaufnahme und Hilfe bei der Antragsstellung und der Verwaltung von Projekten, Koordination des Austauschs zwischen den verschiedenen regionalen Wissenschaftsprojekten sowie mit den Akteuren aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, Entwicklung von Synergien, Begleitung der "Wissenschaftsoffensive". 

Kontakt

Koordinationsbüro der Säule Wissenschaft der TMO
Julie Corouge

Tel. : +49 (0) 7851 740736
julie.corougespam prevention@rmtmo.eu