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Das 21. Jahrhundert erfordert ein neues makroökonomisches Denken und gesamtwirtschaftliches Handeln

Unter dem Titel „Saving and Investment in the Twenty-First Century“ legen Carl Christian von Weizsäcker und Hagen Krämer eine theoretische und empirische Erklärung für die niedrigen Kapitalmarktzinsen vor und stellen dar, was man dagegen unternehmen kann

2. August 2021

Aufgrund der enormen Resonanz des 2019 erschienenen Buches „Sparen und Investieren im 21. Jahrhundert. Die große Divergenz“ von Carl Christian von Weizsäcker und Hagen Krämer, Professor an der Hochschule Karlsruhe, erschien im Juli 2021 eine aktualisierte und erweiterte Ausgabe, unter dem Titel „Saving and Investment in the Twenty-First Century. The Great Divergence“ in englischer Sprache. Das E-Book ist Open Access erschienen und daher kostenlos zu erhalten. Die neue Ausgabe enthält zusätzliche empirische Daten, die 2020 verfügbar wurden und bezieht die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie ein (S. 232 ff.).

Das Buch bietet eine neue kapitaltheoretische Perspektive auf den makroökonomischen Zusammenhang zwischen erwünschtem Vermögen und Investitionen und präsentiert empirische Daten zum privaten Vermögen und seiner Zusammensetzung in den OECD-Ländern sowie in China. Die Autoren argumentieren, dass eine freiheitliche Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung nur stabilisiert werden kann, wenn die Vermögensansprüche des Einzelnen unter Bedingungen der Preisstabilität und der Vollbeschäftigung erfüllt werden. Dies ist ohne eine beträchtliche öffentliche Nettoverschuldung nicht möglich. Da die Staatsverschuldung vor allem in Deutschland bisher eher kritisch gesehen wird, ist ein „neues Denken“ über die Gesamtwirtschaft notwendig. In einer eingehenden theoretischen und empirischen Analyse präsentiert das Buch dieses neue Denken und beschreibt die aktuellen Herausforderungen der Wirtschaftspolitik. Es richtet sich an Ökonomen und Studierende der Wirtschaftswissenschaften sowie an alle, die sich für die makroökonomische Theorie und ihre wirtschaftspolitischen Implikationen interessieren.

In ihrer Analyse konstatieren die Autoren ein fundamentales Ungleichgewicht auf dem Kapitalmarkt aufgrund einer abnehmenden Nachfrage bei zugleich wachsendem Kapitalangebot. Zur Überwindung der seit der Finanzkrise 2007 / 2008 bestehenden langfristigen Stagnation („secular stagnation“) mit geringem Wachstum, bieten die Autoren ein makroökonomisches Lösungsmodell an, dessen Wurzeln auf den Keynesianismus zurückgehen.

In einem stationären Gleichgewichtszustand mit Vollbeschäftigung (in Anlehnung an den „steady state“-Begriff der Physik) wäre das Kapitalangebot (Z) im Gleichgewicht mit der Kapitalnachfrage (T), die auch ein Ausdruck der Produktivität ist, also Z = T, wobei diese Größen als Funktionen der Zeit t aufgefasst werden müssen: Z = Z(t) und T = T(t) mit der Zeit t. Doch dies setzt einen Realzins größer oder gleich der Wachstumsrate der Wirtschaft voraus. Da dies seit vielen Jahren nicht der Fall ist, ist Z > T; daher bedarf es einer Erhöhung der Staatsschulden (D), um die Kapitalnachfrage soweit zu erhöhen, das gilt: Z = T + D.

„Wir werden auch die nächsten Jahre mit sehr niedrigen Zinsen leben müssen, wenn keine fiskalischen Gegenmaßnahmen ergriffen werden, wie wir sie in unserem Buch begründen, wobei man beachten muss, dass es sich um ein weltweites Phänomen handelt“, so Prof. Dr. Hagen Krämer, der an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Hochschule Karlsruhe in Studiengängen wie z.B. Wirtschaftsingenieurwesen und International Management Ökonomie lehrt. „Unserer Meinung nach ist in der gegenwärtigen Stagnation nicht mit einer ‚Selbstheilung‘ nach dem Motto ‚wir brauchen mehr Markt und weniger Staat‘ zu rechnen, wie sie von einigen Ökonomen propagiert wird", so Prof. Krämer weiter. „Es wäre langfristig verhängnisvoll, wenn angesichts der drängenden Zukunftsaufgaben private und staatliche Investitionen nicht bald spürbar erhöht werden.“

Unterstützung erfahren die Autoren von international renommierten Ökonomen, die befürwortende Geleitworte verfasst haben:

  • George Akerlof, Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften, 2001: „‘Saving and Investment in the Twenty-First Century‘ bietet eine völlig neue makroökonomische Perspektive. Die Autoren beschreiben eine einfache, praktische Lösung für die Unterbeschäftigung, die Südeuropa seit mehr als einem Jahrzehnt plagt.“

  • Olivier Blanchard, Chefökonom beim Internationalen Währungsfonds von 2008 bis 2015: „Ein beeindruckender und überzeugender theoretischer Einblick in die Grundlagen der säkularen Stagnation mit ihren sehr starken Auswirkungen auf die tatsächliche Schuldenpolitik. Staatsverschuldung kann erforderlich sein, um die Wohlfahrt zu verbessern.“

  • Nicholas Stern, Chefvolkswirt der Weltbank von 2000 bis 2003: „Dies ist ein tiefgreifender und origineller Beitrag, der uns helfen kann, die großen Probleme unserer Zeit zu verstehen und zu handeln.“

 

 

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