Wie wurde die Evaluation durchgeführt?
Die externe Evaluation durch das Institutional Evaluation Programme (IEP) der European University Association bestätigt: INGENIUM entwickelt sich weiter in Richtung der vollständig integrierten europäischen Universität, die die Gründungspartner von Anfang an anstreben. Das IEP ist ein unabhängiges Peer-Review-Verfahren, das Hochschulen dabei unterstützt, ihre Strukturen und Arbeitsweisen zu reflektieren. Seit 30 Jahren wurden im Rahmen des Programms mehr als 460 Hochschulen in über 50 Ländern bewertet. INGENIUM ist die erste europäische Hochschulallianz, die dieses Verfahren durchlaufen hat. Die Evaluation begann im Februar mit einer Online-Sitzung und wurde vom 6. bis 10. April an der Universität Oviedo, der koordinierenden Hochschule der Allianz, fortgesetzt. Die Gutachter führten Gespräche mit rund 60 Personen, darunter Rektoren, Koordinatoren, Mitarbeitende, Studierende und assoziierte Partner. Grundlage der Bewertung war ein umfangreicher Selbstevaluierungsbericht von INGENIUM sowie weitere Dokumente zu Strategie, Governance und Entwicklung der Allianz.
Als Einheit handeln - eine Herausforderung für jede Allianz
Ein zentraler Schwerpunkt des Berichts ist die Frage, wie INGENIUM Entscheidungen trifft und seine tägliche Arbeit organisiert. Die Gutachter sehen weiterhin Entwicklungspotenzial: eine typische Herausforderung für junge europäische Hochschulallianzen. Nach drei Jahren trägt INGENIUM noch die Spuren des Förderprojekts, aus dem die Allianz entstanden ist. Strukturen, Budgetprozesse und interne Abläufe orientieren sich teilweise weiterhin am Projektmanagement. Der nächste Entwicklungsschritt besteht darin, zusätzlich ein stärkeres institutionelles Selbstverständnis aufzubauen. Die Partnerhochschulen teilen das Ziel einer tieferen Integration. Die neue langfristige Strategie von INGENIUM wird dabei als wichtiger erster Schritt bewertet. Als besonders weit fortgeschritten gilt der geplante Aufbau einer Europäischen Gruppe für territoriale Zusammenarbeit (EVTZ), die der Allianz ermöglichen soll, stärker wie eine gemeinsame Institution zu handeln.
Qualitätskultur wird zunehmend gelebte Praxis
2025 verabschiedete INGENIUM eine gemeinsame Qualitätssicherungsstrategie, die sowohl ein internes Qualitätsmanagementsystem als auch Regelungen für gemeinsame akademische Programme umfasst. Besonders im Bereich der gemeinsamen Studienprogramme sehen die Gutachter deutliche Fortschritte. Die Strategie schafft eine Grundlage, um künftig gemeinsame Programme nach dem Europäischen Ansatz zur Qualitätssicherung zu entwickeln und zu akkreditieren. Dadurch könnte die Allianz langfristig ihre Abhängigkeit von zehn unterschiedlichen nationalen Qualitätssicherungssystemen verringern. Weiteres Entwicklungspotenzial sehen die Gutachter beim internen Qualitätsmanagement. Daten, beispielsweise zur Zufriedenheit von Studierenden, werden derzeit noch getrennt an den einzelnen Hochschulen erhoben. Eine gemeinsame Datengrundlage und klar definierte Prozesse könnten die Weiterentwicklung der Allianz unterstützen.
Lehre und Lernen - den Schwung weiter nutzen
In etwas mehr als drei Jahren hat INGENIUM ein breites Bildungsangebot aufgebaut. Ein wichtiger Meilenstein ist der gemeinsame Masterstudiengang „Chemische und biochemische Verfahrenstechnik“, der bereits akkreditiert wurde und als erstes vollständig akkreditiertes gemeinsames Studienprogramm der Allianz gilt. Darüber hinaus starten zwölf Pathway-Programme an fünf Partnerhochschulen. Sie verbinden das Studium an der Heimathochschule mit Mobilität, interdisziplinärer Zusammenarbeit und projektbasiertem Lernen innerhalb der Allianz. Auch gemeinsame Blended Intensive Programmes und Micro-Credentials werden weiter ausgebaut. Die Gutachter sehen nun die Chance, diese verschiedenen Angebote stärker zu einem gemeinsamen Bildungsportfolio zusammenzuführen. Gleichzeitig empfehlen sie, künftig einige strategisch wichtige Vorzeigeprogramme gezielt weiterzuentwickeln, um neben der Breite auch mehr Tiefe und Sichtbarkeit zu schaffen. Eine weitere zentrale Frage für die Zukunft ist, was es bedeutet, INGENIUM-Studierender oder INGENIUM-Absolvent zu sein. Eine gemeinsame Definition könnte helfen, die Identität der Allianz weiter zu stärken.
Gesellschaftliches Engagement - Potenziale gemeinsam nutzen
INGENIUM engagiert sich für Nachhaltigkeit und Inklusion und orientiert sich an den Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen. Die Gutachter sehen Potenzial darin, diese verschiedenen Aktivitäten künftig stärker in einem gemeinsamen Rahmen sichtbar zu machen. Auch die Zusammenarbeit mit assoziierten Partnern bietet weitere Entwicklungsmöglichkeiten. Unternehmen, öffentliche Einrichtungen und Kommunen unterstützen INGENIUM bereits über einzelne Partnerhochschulen. Der nächste Schritt besteht darin, diese Partner stärker mit der gesamten Allianz zu verbinden und die gemeinsame Reichweite von INGENIUM nutzbar zu machen.
Internationalisierung - einer der deutlichsten Erfolge von INGENIUM
Die Mobilität zählt laut den Gutachtern zu den größten Erfolgen von INGENIUM. Studierende berichten sehr positiv über ihre Erfahrungen an anderen Partnerhochschulen, und mehrere Universitäten verzeichnen steigende Mobilitätszahlen. Damit diese Entwicklung weiter wächst, empfehlen die Gutachter praktische Verbesserungen: besser abgestimmte akademische Kalender, vereinfachte Verwaltungsprozesse, klare Regeln zur Anerkennung von Studienleistungen sowie eine stärkere Unterstützung der Mitarbeitenden, die Mobilität ermöglichen. Auch interkulturelles Lernen soll künftig noch stärker als fester Bestandteil des gemeinsamen Bildungskonzepts verankert werden.
Wie geht es weiter?
Vor drei Jahren haben zehn Hochschulen begonnen zu prüfen, ob sie lernen können, als Einheit zu handeln. Die Evaluation zeigt: Dieser Prozess ist bereits in Bewegung. Für die nächste Entwicklungsphase geht es nun darum, bestehende Strukturen weiter auszubauen, Fortschritte sichtbar zu dokumentieren und die Zusammenarbeit innerhalb der Allianz langfristig zu stärken. INGENIUM wartet derzeit auf die Entscheidung der Europäischen Kommission über den Antrag auf eine Verlängerung der Erasmus+-Förderung um zwei weitere Jahre bis Dezember 2028. Eine positive Entscheidung würde der Allianz ermöglichen, die im Evaluationsbericht beschriebenen nächsten Schritte weiter voranzutreiben.
Der vollständige Evaluationsbericht wird in der Datenbank des Europäischen Qualitätssicherungsregisters für das Hochschulwesen (DEQAR) verfügbar sein.